Von Dezentral zu Zentral: Würzburger Medizin-Bibliotheken

Diana KLEIN: Von Dezentral zu Zentral: Würzburger Medizin-Bibliotheken

Zusammenfassung: An der Universität Würzburg existieren in der Medizinischen Fakultät noch zahlreiche kleinere Instituts- und Klinikbibliotheken. Mehrere davon konnten in den letzten Jahren zu einer größeren Einheit zusammengefasst werden. Eine zentrale Medizinbibliothek lässt sich in der aktuellen Situation nicht verwirklichen. Deshalb soll die Aboverwaltung nun zentralisiert werden.

Schlüsselwörter: Medizinbibliotheken, Würzburg

Knappe Mehrheit für gedruckte Lehrbücher

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Manchmal erreichen mich die wichtigen Informationen etwas langsamer. Aber besser spät als nie: Nur noch die Hälfte der Studenten hat eine klare Präferenz für gedruckte Lehrbücher teilt uns Leo Matschkal in einer Umfragestudie an bayrischen wissenschaftlichen Bibliotheken mit (s. oben, Diagramm 25, dunkelblaue Balken).

Und 36,6 % der Teilnehmer aus den Universitäten könnten auf das gedruckte Lehrbuch verzichten (Diagramm 27), wenn das entsprechende E-Book verfügbar wäre.

Den Meinungen, das gedruckte Lehrbuch würde weiterhin bei den den Studenten die uneingeschränkte Priorität haben, muss also eine klare Absage erteilt werden: Alle Studien zeigen, dass 20-40% der Studenten statt mit dem gedruckten mit dem E-Book lernen, so haben 2/3 der STM-Studenten bereits deutsche E-Lehrbücher genutzt (Diag. 34). Diagramm 38 zeigt, dass nur noch 53% der STM-Studenten Lehrbücher lieber in gedruckter Form benutzen, 22% elektronisch und 25%(!) haben keine Präferenz.

Dabei werden Mehrwerte wie Interaktivität und Personalisierungsfunktionen, wie sie immer wieder von Verlagen (zur Rechtfertigung von Preisen oder DRM) angeführt werden, durchgängig als nicht notwendig betrachtet – wie auch unsere und andere Umfragen zeigten.

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An der Spitze standen die Eigenschaften „jederzeit verfügbar“, Zugriff von zu Hause, Download komplett / in Teilen sowie die Ausdruckmöglichkeit.

PS: Mannheim macht zur Zeit eine Umfrage mit ähnlichen Fragen. Nur schade, dass die Frage nach dem Format (Flash oder PDF) fehlt, und die wichtige Frage nach den Exportmöglichkeiten so global gestellt ist, dass man aus ihr keine gezielten Aussagen wird ableiten können.

Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin in Köln und Bonn – Zentrale Fachbibliothek und Infrastruktureinrichtung für die Forschung in der Bundesrepublik Deutschland

Ulrich KORWITZ: Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin in Köln und Bonn – Zentrale Fachbibliothek und Infrastruktureinrichtung für die Forschung in der Bundesrepublik Deutschland

Zusammenfassung: Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) ist die zentrale Fachbibliothek für Medizin, Gesundheitswesen, Ernährung, Umwelt- und Agrarwissenschaften für die Bundesrepublik Deutschland. In ihrer 40-jährigen Geschichte entwickelte sie sich von einem sammlungsorientierten Dokumentlieferanten zu einer Infrastruktureinrichtung vor allem für wissenschaftliche Nutzergruppen. Heute stehen neben der Sammlung und Dokumentlieferung moderne Informationsdienstleistungen, das Open Access-Publishing sowie innovative Projekte im Vordergrund ihrer Arbeit.

Schlüsselwörter: Nationalbibliothek, Bestandsentwicklung, Bestandserhaltung, Open Access Publishing, wissenschaftliches Publikationswesen, Dokumentlieferung, Forschungsinformationsinfrastruktur, MEDPILOT, GREENPILOT, semantische Literaturrecherche, anwendungsorientierte Projekte, Goportis, GMS, Forschungsdaten

Google’s Book Settlement maybe worth more than 100 Mio. $

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In einer Mail mit dem Titel Google Book Settlement Market Analysis weist Bernie Sloan auf eine Wertschätzung des Google’s Book Settlements hin von Michael Cairns, ehemaliger Präsident von R.R. Bowker: „Database of Riches: Measuring the Options for Google’s Book Settlement Roll Out.“

An executive summary is at: http://bit.ly/cB2NgY. The full report is at: http://bit.ly/aA5VrX. And a Library Journal interview with Cairns is at: http://bit.ly/c2IY0C The LJ article notes: „In a paper titled ‚A Database of Riches: Measuring the Options for Google’s Book Settlement Roll Out,‘ Michael Cairns, former president of R.R. Bowker and Managing Partner, Information Media Partners, offers some informed – though admittedly not definitive – analysis of ‚the potential market opportunity that the Google Book Settlement could represent.'“ Among other things, Cairns estimates that 47% of the 9198 public libraries in the US will subscribe, at an average price of $21,000, and that 65% of academic libraries would subscribe at an average price of $55,000. (Library Journal asked him to explain those estimates).

Neue Nationallizenzen

Gestern sind zwei neue „medizinische“ Nationallizenzen unter http://www.nationallizenzen.de/angebote freigeschaltet worden:

  • Karger eBooks Collection 1997-2009: 409 E-Books des Medizin-Verlags Karger aus den Jahrgängen 1997 bis 2009, die ein breites biomedizinisches Spektrum abdecken, von 38 teilweise langjährig erscheinenden, sowie von 10 abgeschlossenen Buchreihen. Ich habe es mal online gestellt.
  • Karger Journals Archiv 1998-2008: Angeboten werden die elektronischen Backfiles (ab 1998) von 100 Titeln des Medizinverlags Karger. Zu beachten ist, dass Institutionen, die an dem Vertrag über die laufenden Inhalte von Karger nicht teilnehmen, aktuell bis einschließlich des Jahrgangs 2008 zugreifen können. Diese Moving Wall wird in jedem Jahr um ein weiteres Jahr nach vorne geschoben.

Thieme stellt e-Books um: Flash statt PDF

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Foto: Photocase.com

Angenommen Sie kaufen den Herold als Mobipocket-Buch und nach drei Monaten gibt ihr PDA den Geist auf. Angenommen Sie kaufen George Orwells 1984 und nach drei Monaten gibt es keinen Zugang zu mehr, weil Amazon was mit dem Copyright verpeilt hat. Angenommen Sie lizenzieren für die Uni einen Zugang auf PDF-Onlinebücher und nach drei Monaten sagt Thieme: „Tut mir leid, aber wir stellen jetzt auf Flash um.“ In allen diesen Fällen ist die weitere Nutzung nicht mehr so möglich, wie zum Zeitpunkt des Kaufs gedacht.

Die inhärenten Eigenschaften der digitalen Medienform machen aus einem Besitzwerb, der sich über Jahrtausende in unser Bewußtsein eingeschleift und unsere Kultur geprägt hat, immer mehr einen Besitz-auf-Probe, ein nur geliehenes Habe-Vergnügen, jederzeit bedroht durch die lizenzierte lange Leine, einer Art Remote Control in den Händen der großen und kleinen Anbieter, die es ihnen erlaubt, E-Books zu löschen, Artikel zu entfernen, Formate umzustellen, usw. ohne dass der Lizenznehmer einschreiten könnte. Ob diese mal hierhin, mal dorthin zappen, je nachdem wie es ihnen ihr Kassenstand oder ihre Aktionäre oder sonstwas opportun erscheinen lassen, hängt nicht alleine von deren Größe ab. Global Player können sich dies sicherlich eher leisten, aber es hängt auch von der Marke ab – siehe die Preise, die Nature und NEJM ganz unverblümt verlangen.

Dumm, wer – wie ich – immer an die schöne neue Onlinewelt geglaubt hatte: Dass diese Probleme mit sich bringt, an die vorher keiner gedacht hat, und die es mit einem Print-Buch nie gegeben hätte, war doch naheliegend, oder?

Die ersten beiden Fälle ist man ja (nur) persönlich betroffen, bei Thieme sieht es aber anders aus: Hier steht man mit zigtausend Euro bei dreitausend Studenten im Wort. Aus IHREN Studienbeiträgen wurden die Thieme-Bücher gekauft, IHNEN hat man versichert, dass sie PDFs bekommen würden, mit den man auch offline oder am iPhone/iPad arbeiten kann. Das soll jetzt nicht mehr möglich sein? (Der Download einzelner Seiten als PDF zählt für mich nicht als PDF-Nutzung, dazu ist es zu kompliziert und langsam – noch komplizierter als die bisherige Nutzung der in zig PDFs atomisierten Thieme-Bücher).

Was gibt es für Nachteile? (Fällt Ihnen noch was ein?)

– keine offline-Nutzung
– keine offene Plattform wie PDF
– keine Verlinkung und Einbettung in Lehr- und Lernsystemen möglich
– kopieren und drucken nur sehr eingeschränkt möglich
– keine iPhone/iPad-Nutzung

Hinzu kommen rechtliche Bedenken: Wurde man vor dem Vertragsabschluß auf diesen Fall hingewiesen? Wenn ich ein Auto mit 4 Rädern kaufe, dann nehme ich doch nicht hin, dass man mir nach einiger Zeit zwei Räder ab- oder anmontiert, mit dem Argument, es wäre eine Verbesserung? Was sagen die Juristen dazu? Gekauft wie gesehen? Gibt es in einem solchen Fall ein Sonderkündigungsrecht?

Ich habe schon früher über meine Bedenken bzgl. von Flash berichtet. Solange die Flash-Technik nur wegen der Angst der Verlage vor dem Untergrundkopieren benutzt wird, kann daraus – wie bei DRM – nichts Gutes und Zukunftsweisendes entstehen. Ich glaube auch nicht, dass dies den Bedürfnissen von Nutzern und Bibliotheken entgegenkommt (siehe HighWire-Umfrage), aber ich lasse mich in beiden Fällen gerne eines besseren belehren.

Generell gilt, was ich im letzten med geschrieben habe:

Heutzutage bestehen Onlinebücher im akademischen Bereich meist aus PDF-Dateien, während sich im Consumer-Bereich eine Vielzahl DRM-geschützter Formate tummeln, die hauptsächlich dazu dienen, die Profite der Autoren und Verlage zu schützen. Die oft inkompatiblen und proprietären Formate behindern massiv den freien (bestimmungsgemäßen?) Gebrauch der Texte: Offline-Nutzung – unmöglich! Cut&Paste? Vergiß es! Lesen auf dem Smartphone? Dann bezahl nochmal! Kopierschutz-Maßnahmen zur Verhinderung unerlaubter Weitergabe behindern und verhindern in der Regel die Nutzung von E-Books, während die Leser die Inhalte ausdrucken, kopieren und mit (Gleichgesinnten) teilen wollen. Zusätzliche Features – mit denen die Verlage DRM-Maßnahmen oder höhere Preise gerne begründen – werden nicht benötigt: Online-Bücher sollen gefälligst leicht und einfach zu nutzen sein. Mehrwerte sind zwar ok, aber nicht wenn es die Zugänglichkeit einschränkt oder den Preis erhöht. Während sich zukunftsweisende Formate (wie ePub) und Geschäftsmodelle (Open Access, Online preiswerter als Print) langsam beginnen durchzusetzen, steuern Anbieter wie Elsevier, Apple und neuerdings leider auch Thieme in die genau entgegengesetzte Richtung: Vermeidung, Verhinderung, Verteuerung.

Wie gesagt, Thieme macht sich mit der Abkehr von PDF unter Wissenschaftlern und Studenten garantiert keine Freunde (von Bibliothekaren ganz zu schweigen). Gerade in der Wissenschaft zählt das einfache (Mit)Teilen von Texten immer mehr zu den Notwendigkeiten. Was für ein Aufschrei würde durch diese Gemeinde gehen, wenn – angenommen – auch die Zeitschriftenartikel eines Tages mal DRM-geschützt würden! Und doch müßte genau dieses laut Argumentation der Verlage eigentlich der nächste logische Schritt sein: auch hier gibt es illegale Kopien und Kannibalismus. Aber das traut man sich dann doch nicht und dazu ist das Zeitschriftengeschäft doch nicht so von Einnahmeausfällen bedroht wie das Lehrbuchgeschäft. (Aber wie stellen sich Verlage den Übergang ins digitale Zeitalter überhaupt vor? Schmerzfrei, ohne vorübergehenden Umsatzrückgang, ohne sich durch intelligente, faszinierende Angebote zu profilieren – das wird sicher nicht gehen. Die Frage ist nur, ob Verlage ihre Ziele mit den Bibliotheken oder ohne sie erreichen wollen. Oder ist die Frage vielmehr, wie Bibliotheken verhindern können, dass aus der Lehrbuchtroika Elsevier – Thieme – Springer ein kostentreibender Zwei- oder Einspänner wird?)

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