Survey: Is Your Library Mobile Friendly?

SurveyMonkey-Umfrage der Lovejoy (Health) Library, Southern Illinois University Edwardsville [via medlib-l]:

Are your patrons more likely to take a picture of a call number on a computer screen rather than write it down? Do you find that your users are accessing the library though mobile devices, prompting you to look for ways to assist them? Whether or not you answered yes to the above questions, we are interested in hearing your thoughts. In our effort to better anticipate our users needs, we have been investigating ways to provide library content and services in a mobile-friendly format. Please consider answering this brief, anonymous survey (5-10 minutes). Your responses will be greatly appreciated! Please feel free to forward this survey on to interested colleagues as well.

Cogitus interruptus – Chronische Zerstreuung

Heidi Stieger gebührt das Verdienst uns im – mittlerweile mehrautorigen – infobib Blog auf den wunderbaren Text von Eduard Kaeser in der NZZ aufmerksam gemacht zu haben: Cogitus interruptus: Googeln, Bloggen und Twittern (Fettdruck durch mich):

Die Menschen des Web-Zeitalters halten das Leben ohne ständige Mehrfachbeschäftigung nicht mehr aus. Die Folge davon ist eine neue Zivilisationskrankheit: die chronische Zerstreuung. Dagegen hilft nur eines – wir müssen eine Kultur der Aufmerksamkeit entwickeln.

Kaeser trifft den wunden Punkt der ganzen Herumgetwitter- und gebloggerei, der „Nebenwirkungen“ der schönen neuen Welt, der Fallstricke für die Multitasking-unfähigen Menschlein, fast auf den Punkt genau und liefert uns bei der Gelegenheit so en passent einer der schönsten weil treffendsten Beschreibung der neuzeitlichen Arbeitsrealität anhand eines eigenen Erfahrungsberichtes:

Multitasking. Kaum sind wir im Netz, regt sich die Versuchung, genau das nicht zu tun, was man sich eigentlich zu tun vorgenommen hat. Wir browsen, bloggen, chatten, googeln, simsen, twittern, zatooen wie die Gehetzten. Ich erlebte das neulich ironischerweise beim Verfassen dieses Textes. Ich tat, was zig Millionen von Desktop-Arbeitern heute tun. Ich googelte nach einem kleinen Artikel zum Thema Multitasking, entdeckte dabei drei weitere einschlägige Artikel, die mich interessierten. Während des Ausdruckens checkte ich en passant meine E-Mails, schaute kurz in die Website der «New York Book Reviews» und blieb an einem Essay von Amartya Sen hängen, über ein völlig anderes Thema. Die laufende Jazzsendung auf DRS 2 stellte gleichzeitig einen interessanten italienischen Pianisten vor, der mir so gut gefiel, dass ich bei i-Tunes nachschaute, diverse Stücke von ihm fand, sie sofort kaufte und herunterlud und auf eine CD brannte. Statt am Text weiterzuarbeiten, begann ich die Musik zu hören, nicht ohne mich zugleich auf der Homepage des Pianisten über dessen Biografie und Diskografie zu informieren. Ehe ich michs versah, war meine Hauptaufmerksamkeit auf zwei oder drei Nebenspuren verzettelt. Ich fand nicht mehr zur Konzentration auf die ursprüngliche Arbeit zurück. «Cogitus interruptus» nenne ich das für mich. Dagegen kenne ich zwei Mittel: Sex oder Joggen. Sie fügen mich wieder zusammen.

Körperliche Betätigung ist in der Tat ein aprobates Mittel gegen die geistige Verzettelung und mag in der Kombination Sex/Joggen wohl tatsächlich den Mindcomputer auf Null, in den Ausgangszustand zu versetzen, sozusagen physisch zu rebooten (und BTW der immanenten Gefahr von Herzrythmusstörungen vorzubeugen). Aber hier sehe ich auch eine – klitzekleine – Ungenauigkeit in der Argumentation Kaesers, der vielleicht unbeleckt von irgendwelchen Meditation/Kontemplationsgeschichtchen ist: Jeder, der seinen Siddartha oder Magister Ludus kennt, dürfte da noch mindestens eine andere Möglichkeit anbieten können, wie man dem ungewünschten Zustand nicht rehabilitativ sondern ursächlich abhilft: Eben sich auf der eigentlichen Ebene des Miß-Geschehens – dem Geistigen – zu behelfen und der geistigen Verzettelung die Versammlung/Konzentration auf geistige Inhalte (siehe Kontemplation bei Wikipedia) gegenüberzustellen. Kaeser spricht in diesem Punkt lediglich – und wie mir scheint unpräzise – von Aufmerksamkeit. Der Aufmerksamkeit fehlt mir aber der entscheidende Faktor, um sich den Zerstreuungen zu entziehen: Die Willenskraft. Konzentration ist Aufmerksamkeit + Willenskraft.

Ich habe noch ein wichtiges Argument gegen die Kaeserischen Thesen: Mir ist es doch tatsächlich gelungen, seinen ziemlich langen Text in einem Stück – ohne Unterbrechung und Ablenkungen – zu lesen! Das spricht auch für ihn aber noch mehr für das Gerät, auf dem ich den Text las: Den iPhone. Durch die Singularität der Anwendungen und geöffneten Fenster (nicht 10 wie auf dem PC, sondern immer nur eins) schafft der iPhone (so ähnlich wie das gedruckte Buch) ein Distraction-Free Interface (offline), einen ablenkungsfreien Raum. (Exact Editions hauen in die gleiche Kerbe)

Aber zurück zu Kaeser, der mit allem ziemlich richtig liegt, auch mit folgendem:

Die Psyche verkraftet offensichtlich die Datenflut schlecht. Wer im Büro jede dritte Minute einem Unterbruch ausgesetzt ist und auf dem Computerbildschirm acht Fenster geöffnet hat, riskiert, abgelenkt, kribblig, impulsiv und ruhelos zu werden, und – auf lange Sicht – Leistung abzubauen, in ironischer Verkehrung dessen, was uns die neuen Technologien eigentlich verheissen haben. Wir werden zu Kommunikations-Spastikern. Hallowell prägte einen neuen Begriff für dieses Zwangsverhalten: «Frazzing», Kürzel für «frantic multitasking» (also die «rasende» Form von Multitasking).

Gleichzeitig mit gleicher Konzentration zwei verschiedene Dinge zu tun, sagt der Münch- ner Gehirnforscher Ernst Pöppel, sei physiologisch nicht möglich: «Was geschieht, ist eigentlich eher etwas Negatives: Ich schalte sehr schnell zwischen verschiedenen Kontexten hin und her, konzentriere mich also drei Sekunden lang auf einen Sprachfetzen, drei Sekunden auf das Fernsehen, drei auf den Computer. Das kann ich endogen tatsächlich steuern. Aber der Effekt ist, dass es zu einer Art schizoidem Denken kommt, mit dem nichts mehr verbunden ist. Es gibt dann keine Nachhaltigkeit der Repräsentation mehr, keine Nachhaltigkeit der Informationsverarbeitung.»

Und hier möchte ich etwas einwerfen bzw. den Gedanken fortführen: Es gibt in der Twitter- und Facebookwelt ja nicht nur schizoides Denken, sondern – was viel schwerer wiegt – schizoide Persönlichkeiten! Auf Twitter habe ich jetzt drei, nein vier Accounts (zur Sicherheit), auf Facebook zwei, mein MySpace-Account ruht im Moment, dann habe ich noch einen auf Xing, einen im Nature Network, die Zahl der Blogs, die ich schreibe, habe ich aus den Augen verloren irgendwas zweistelliges, und letztens wurde ich vorwurfsvoll gefragt, wieso ich noch nicht bei LinkedIn sei. T.Scott hat in seinem Posting „Trying To Be Complete“ mal wunderbar beschrieben, wieso er nicht „schizoid“ sein mag:

In my own case, there simply isn’t a separation, and it has been that way for a long time, […] All of us have many, many aspects to our selves — Lynn teases me about „responsible guy“ and „night guy,“ (as Frisse once famously said of Lynn, „the woman has whole cities inside her“) — but the boundaries are porous, and in the world in which we now live, impossible to maintain. You are fooling yourself if you think you can. […] I’m no longer looking for „balance“ because that still seems to imply managing two poles. I don’t have a „personal“ or „professional“ side. I strive to be complete.

Aber wieder zurück zu Kaeser, der uns an die eigene Nase und Zerstreuungslust packt:

Wir sind es, die uns sozusagen über die Geräte gegen uns selbst richten. Reflektierte Zeitgenossen wie etwa der englische Journalist Andrew Sullivan – ein bekennender Blogger – sehen das durchaus ein: «Wenn es darauf ankommt, mich hinzusetzen und ein mehrseitiges Druckprodukt oder, Gott bewahre, ein Buch zu lesen, klemmt mein Geist einen Augenblick lang. Nach der Lektüre eines Abschnitts bin ich reif für einen neuen Link. Aber die Prosa vor meiner Nase streckt sich dahin. Ein paar Abschnitte weiter, und ich greife zum Laptop. Es verhält sich nicht so, dass ich nicht Zeit fände zum wirklichen Lesen, zum mussevollen Aufnehmen von Argumenten oder Geschichten. Vielmehr ist mein Geist so konditioniert, dass er sich dagegen sträubt.»

Ok, guter Punkt, trifft sicherlich zu. Aber das ist nichts Neues, das kennen wir schon vom Fernsehen. Immer schnellere Schnitte, dazu wird gezappt (das sollen angeblich nur Männer machen), das sich die Balken biegen. Statt einem Film werden drei geguckt, sonst hat man das Gefühl, was verpasst zu haben. Und wir haben uns angepasst – MTV-Geschwindigkeit ist jetzt die Norm, ein alter Truffaut-Film (letztens wieder „Sie küssten und sie schlugen ihn“ – ein seltener Genuß!) zwingt zu Geduld und Willensstärke – oder einer Fernbedienung mit Zeitschloss.

Alles in allem spricht Kaeser mir aus der Seele und formuliert das elegant, was sich bei mir an Gedanken so in der letzten Jahren angesammelt hatte und nur deswegen keine Niederschrift fand, weil ich mich immer so schnell ablenken lasse halt nun mal kein Philosoph bin. 😉

Opinion: How much work can you do on an iPhone?

Dieser Beitrag beschreibt einen – mutigen? – Selbstversuch von Galen Gruman in InfoWorld:

It’s hard not to look at an iPhone and wonder whether you could chuck your laptop and use it to do all your work instead. After all, it offers e-mail, always-on Web access, and an ever increasing roster of applications, many of which have business use in mind. Add in the fact that laptops are awkward to carry to meetings, and that their batteries never last as long as the work you need to do, and the appeal of replacing a laptop with an iPhone becomes readily apparent. So in the spirit of finding out how far you can you go relying exclusively on an iPhone for work, I decided to spend a month using an iPhone 3G in place of my laptop wherever possible.

Er kommt zu dem – auch für mich gültigen – Schluß (wenn ich mal gerade nichts zu editieren habe):

Give your laptop a rest. The iPhone comes very close to being a laptop replacement for many basic business and field-service uses. […] You can’t do intensive work on it, such as writing proposals, creating budgets, managing production schedules, creating graphics, or developing apps, of course. But the iPhone can handle a lot of routine business tasks that let you put down your laptop for several hours at a stretch. It’s become part of my daily toolkit, one I enjoy using.

Is Google ready to enter e-book market?

… fragt das ReadWriteWeb und kommt zu dem Schluß, dass Ja:

  1. Google is getting ready to enter the eBook market by providing publishers with an infrastructure for direct-to-consumer sales.
  2. Google already offers browser-based versions of Google Books for iPhone and Android users
  3. If Google could sell eBooks directly, it would stand to make a far larger profit.
  4. with Google Books, Google also holds its own kind of monopoly for books on the Internet. After all, Google Books already makes 1.5 million out-of-copyright books available for free.
  5. Publishers will probably be happy to see more competition for Amazon, which, at $9.99, is holding the price for eBooks artificially low by subsidizing the price. According to the Times, Google would allow publishers to charge whatever price they prefer.
  6. Obwohl „even a company like Google will have a hard time breaking into this market“ against well established Amazon. [via @rww via @ericrumsey]

UCLA: Erosion of library budgets -> Open letter to publishers

Peter Suber berichtet, dass am 26.Mai die University of California Libraries einen Open Letter to Licensed Content Providers geschrieben hat mit folgendem Inhalt (Fettdruck durch mich):

The University of California Libraries ask all information providers with whom we negotiate content licenses to respond to the major fiscal challenges affecting higher education in California in a spirit of collaboration and mutual problem-solving. We expect to work with each of our vendors at renewal to develop creative solutions that can preserve the greatest amount of content to meet the information needs of the University of California’s students, faculty, and researchers.

As a state-supported institution, the University of California has experienced significant budget reductions in fiscal year 2009, with more reductions to come. The $531 million shortfall now anticipated in state funding for the 2009-10 fiscal year amounts to nearly 17 percent of the $3.2 billion the state provides UC annually. Numerous cost containment measures are in place across the university, including salary and other compensation freezes for senior managers, hiring curtailments for other staff, travel restrictions, and other mandated reductions.

UC Libraries are being hit hard by the budget reduction mandates in effect at each of the UC campuses. Targeted reductions to library materials budgets for fiscal year 2010 vary across the campuses, with some as high as 20%. Many campuses have been alerted that additional cuts will be levied in fiscal year 2011. Coupled with the typical inflationary increases for scholarly publications, the erosion of library buying power will have a profound and lasting impact on all of the UC libraries. Monographic purchasing has already been seriously curtailed, and every electronic content license is being placed under careful scrutiny.

Es würde mich sehr wundern, wenn wir genau dies nicht auch hier in Deutschland sehen würden – nächstes oder übernächstes Jahr.